Ratgeber

Rohstoffknappheit 2021 und 2022

Autor: Herbert Behr
Datum: 06/21/2021

Haben Sie jemals einen Mangel an Holz vermutet? Wie kann es sein, dass es zu Lieferengpässen für neue Fahrräder kommt? Starke Nachfrage: Aktuell gibt es Preisexplosionen und Lieferengpässe bei Holz und weiteren Bau- und Rohstoffen.

Welche Rohstoffe sind betroffen?
Welche Rohstoffe sind betroffen?Rohstoffknappheit 2021 und 2022: Welche Rohstoffe werden knapp?

Öl, Holz, Stahl, Aluminium, Kupfer. Im Mai und Juni 2021 ist die Rohstoffknappheit ein Thema bei der deutschen Industrie und Wirtschaft. Weltweit steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, einher damit steigen die Preise, die Verfügbarkeit sinkt – die Kausalitätskette ist bekannt. Neu ist, dass neben bisher ohnehin knappen Rohstoffen, wie Technologiemetallen, jetzt auch bisher unproblematische Materialien verstärkt nachgefragt und somit teurer werden. Die gestiegenen Preise wirken sich auch auf die Inflation des Landes aus.

Rohstoffknappheit 2021 auf einen Blick:

  • „Superzyklus“ möglich, rasanter Preisanstieg +30 %: Rohstoffe wie Kupfer, Stahl, Holz, Öl und Platin an der Spitze der Wertentwicklung.
  • Nachfrageerhöhung und Preisanstieg trifft auf Reduzierung der Investitionen seitens der Produzenten – Bedrohung für wirtschaftliche Entwicklung.
  • Knappes Angebot: Steigende Inflationsraten, höhere Verbraucherpreise, schwaches Wirtschaftswachstum können die Folge sein.
  • 2022: Versorgungsengpässe für Magnesium und Silizium; weltweite Rohstoff-Situation weiterhin von Pandemielage, Energiekosten und allgemeinen Rohstoffpreisen abhängig

↓  Rohstoffknappheit 2021

*UPDATE* [07.01.2022]

Neues Rohstoffproblem 2022? Magnesium wird knapp.

  • China Hauptproduzent von Magnesium (95 % des Bedarfs der EU aus China), kein Ersatz-Material verfügbar.
  • Klimaschutz: Exportstopp und Produktionsengpässe von Magnesium aus China (Treibhausgasminderungsziel soll dadurch erreicht werden).
  • Magnesium unabdingbar für Automobilindustrie (Aluminiumlegierung) und Medizintechnik; Magnesium-Mangel bedroht metallverarbeitende Unternehmen.

Die Problematik ist einfach: China produziert mit über 80 % weltweit das meiste Magnesium, 95 % des EU-weiten Magnesium-Bedarfs stammen aus China. Um den staatlichen Energieverbrauch zu senken, damit CO2 zu sparen und somit klimafreundlicher zu werden, hat China allerdings die Produktion reduziert, zum Leidwesen der magnesiumverarbeitenden Industriezweige und deren indirekt betroffenen Produktionsketten.

Manuel Mittelstädt, Leitung Produktbereich Aluminium bei Stahlhändler Günther + Schramm, ist eher pessimistisch gestimmt: Es gibt keinen adäquaten Magnesium-Ersatz. Sollte also der Nachschub aus China enden, werden aluminiumabhängige Branchen ihre Produktion stoppen müssen, es drohen im Worts-Case-Szenario Produktionsausfälle. Am realistischsten für 2022 werden wohl Magnesium-Versorgungsengpässe sein. Deutschen Unternehmen sei geraten, sich zeitnah mit Magnesium einzudecken.


Auch Silizium betroffen: Das weltweit zweithäufigste Element ist seit Oktober ´21 so teuer wie nie (der Preis hat sich vervierfacht). Etwas 7.700 € mussten Unternehmen für eine Tonne Silizum zahlen – Rekordwert! Wie bei Magnesium spielen hierbei Chinas Klimaziele eine Rolle, dem Weltmarkt fehlen dadurch 200.000 Tonnen Silizium zum Jahresende. Das betrifft vor allem die Halbleiter- und die Chipindustrie.

Rohstoffknappheit: Was ist für 2022 zu erwarten?

Im Jahr 2022 könnten die Begriffe „Preisanstieg“ und „Engpass“ in Bezug auf Rohstoffe dominant werden. Auch die hohen Energiekosten werden in diesem Jahr immer wieder präsent sein.

Anhand zwei (bisher noch nicht thematisierter) Industriebranchen lässt sich eine grobe Prognose für 2022 aufstellen und womöglich lassen sich dadurch auch für andere Wirtschaftszweige Prognosen ableiten.

Kunststoffindustrie:

Die Kunststoffindustrie wird 2022 mit gestiegenen Preisen für Rohstoffe, Vorprodukte und deren Folgeprodukten kämpfen müssen. Dazu zählen z. B.: Butandiol (BDO, +400 € ↑) oder Tetrahydrofuran (THF, +700 € ↑). Die Auslöser dafür sind die erhöhten Energie-, Liefer- und Rohstoffkosten. Sowohl Hersteller als auch die Händler werden die Preiserhöhung an die Kunden weitergeben.

Verpackungsbranche:

Bereits 2021 beklagte die Branche einen Rückgang der Druckerzeugnisse (Flyer, Zeitungen etc.), gleichzeitig erhöhten sich die Preise für Altpapier um das Dreifache. Im Vergleich zum September 2020 mussten Unternehmen mehr als 57 % für Altpapier zahlen, für frisch gefertigtes Papier aus Holz betrug die Preissteigerung über 71 %. Steffen Würth, Vorsitzender des VDW, bezeichnet die Kostenexplosion als „drastische Schieflage“ für die gesamte Branche.

Karsten Hunger, Geschäftsführer IPV, besänftigt die Situation etwas: Er geht davon aus, dass sich ab Mitte 2022 sowohl die Rohstoffverknappung entspannt als auch die Lieferkettenproblematik. So seien Pandemielage, Energiekostenentwicklung sowie logistische Herausforderungen wichtige, aber auch nicht beeinflussbare Faktoren für die Erreichung des „Normalzustands“.

Fazit: Prognose zum Rohstoffmangel 2022

Die Prognose für das aktuelle Jahr könnte positiver ausfallen: Hohe Rohstoffpreise und Energiekosten hemmen auch 2022 die Produktivität der Unternehmen, ausreichend vorhandene Rohstoffe wie Magnesium und Silizium werden aus Klimaschutzgründen weniger produziert und verteuern sich, hinzu können Lieferengpässe sowie unkontrollierbare Faktoren (Pandemische Weltlage) die Situation der Wirtschaft zusätzlich erschweren. 

Geht es nach Gundula Ullah (Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) wird die Rohstoffknappheit noch bis Ende 2022 andauern. Diese Prognose ist nicht in Stein gemeißelt, strategische Industrieeinkäufer sollten aber für Ihr Unternehmen vorsorgen, da die Entwicklung an den Rohstoffmärkten aktuell noch nicht präzise prognostiziert werden kann.

Aktuellen Erkenntnissen zufolge werden 2022 Kunststoffe, Halbleiter und Stahl Mangelware sein. Diese Rohstoff-Engpässe wirken sich voraussichtlich branchenunabhängig auf viele deutsche Unternehmen direkt oder indirekt aus.

„Zwei Drittel der Industriebetriebe sehen mittlerweile in Energie- und Rohstoffpreisen ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung.“ (Deutsche Industrie- und Handelskammer)

Rohstoffmangel 2021: Welche Rohstoffe sind betroffen?

Die weltweite Coronapandemie sorgte zunächst für eine wirtschaftliche Talfahrt in vielen Teilen der Welt. Im Mai/Juni 2021 springt die Weltkonjunktur jedoch wieder an, die Automobilindustrie nimmt als erstes in China wieder Fahrt auf, Rohstoffe werden aus den USA oder Saudi-Arabien nach Asien transportiert, vorbei an Europa – die Folge ist klar: Rohstoffmangel.

Laut DIHK sind von dieser Krise Metalle, Kunststoffe, Mineralien und sogar Holz betroffen. Zudem mangelt es nicht nur an diesen Rohstoffen, sie sind auch im Preis gestiegen. Für zwei Drittel der industriellen Unternehmen in Deutschland sind Energiepreise als auch Rohstoffpreise sowohl Faktor als auch Risiko für die weitere Entwicklung.

Doch nicht nur direkt Rohstoffe sind betroffen, auch die Endprodukte. Populäre Mangelware in Deutschland sind beispielsweise Fahrräder, Computerchips oder die neu erschienene Spielekonsole Playstation 5.

  • Computerchips/Playstation 5: Mangel an Halbleitern, Halbleiter-Industrie versorgt priorisiert Unterhaltungselektronik als profitableren Abnehmer.
  • Fahrräder: gestiegene Nachfrage kann nicht gedeckt werden: Mangel an Aluminium, Lieferschwierigkeiten zwischen Kontinenten, wenige Ersatzteile sowie Preisanstiege.
  • Möbelindustrie: VDM (Verband deutscher Möbelindustrie) meldet stetige Verschlechterung der Materialverfügbarkeit – Metallteile und Funktionselemente, Spanplatten, Verpackungsmaterialien, MDF- und HDF-Platten (Faserplatten).

Ursachen für den Rohstoffmangel: Corona als Impuls?

Die Weltwirtschaft erholt sich von den Lockdowns und hat momentan ein akutes Ressourcen-Problem. Rohstoffe wie Stahl und Holz oder Produkte wie Soja und Papier waren, bevor COVID-19 das Weltgeschehen dominierte, nahezu unbegrenzt verfügbar, zumindest herrschte kein Mangel. Die Nebenwirkungen der Pandemie, z. B. Kurzarbeit oder Lieferschwierigkeiten, ließen die Produktion bestimmter Produkte (Palmöl) zurückfahren.

  • Holz: hohe Nachfrage aus dem Ausland, Export von (Bau-)Holz zu großen Teilen nach China und USA führt zu Mangelversorgung an Holz in Deutschland und Europa.
  • Baustahl: sprunghaft steigende Nachfrage nach Stahl, steigender Stahlpreis – Handwerksbetriebe können ohne Material keine Aufträge annehmen.
  • Kunststoff: Rohmaterial Naphta für Kunststoff ist knapp – weltweit vernetzte Kunststoff-Verpackungsindustrie abhängig von einzelnen Stellschrauben, Störung der Rohstoff-Lieferketten – wichtige Kunststoffe verteuert, Polyethylen + 35 %, Polyurethane + 50 %.

Lässt die Rohstoffversorgung nach, kommt es zu Produktionsstopps und Lieferausfällen – genau dieses Szenario ereignete sich im Laufe der COVID-19-Pandemie.

Im Laufe des Jahres 2021 kehren weltweit die Betriebe nach und nach zurück zur Normalität. Um den Produktionsstandard vor der Coronapandemie zu erreichen, werden überall Rohstoffe nachgefragt. Diese Rohstoffe müssen jedoch gewonnen werden und sind eben vorerst nur begrenzt verfügbar, was den Preis in die Höhe treibt und nur die finanzstärksten Unternehmen produzieren lässt. Eine langsame Rückkehr zur „Vor-Corona-Zeit“ bahnt sich an.

Superzyklus: Erneuerbare Energien als Preistreiber der Rohstoffe?

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Rohstoffmangel immer wieder fällt, ist „Superzyklus“. Was bedeutet das? Ein Superzyklus ist eine länger anhaltende Phase, in welcher eine Vielzahl an Rohstoffen verstärkt nachgefragt wird und daraufhin der Preis ansteigt, bis die Nachfrage und der Preis wieder stetig sinken.

Die anhaltende steigende Nachfrage und der Preisanstieg im Bereich der Technologiemetalle lassen in Zukunft einen Superzyklus vermuten. Allgemein wird der technische Fortschritt und auch der Weg zur weltweiten Energiewende ein erheblicher Preistreiber für Technologiemetalle sein.

Die Automobilbranche, die Elektroindustrie oder auch die Photovoltaikindustrie sind auf Technologiemetalle und deren einzigartige Eigenschaften angewiesen. So ist es kein Wunder, dass die einzelnen Unternehmen und Branchen um die begehrten Rohstoffe konkurrieren und dadurch der Preis in die Höhe getrieben wird.

Öl von morgen? Liste der kritischen Rohstoffe für die EU 2020:

Alle drei Jahre aktualisiert die europäische Kommission die Liste der kritischen Rohstoffe. Deren Bedeutung ergibt sich bereits aus dem Namen: Hohe wirtschaftliche und industrielle Bedeutung als auch Versorgungsengpässe aufgrund des begrenzten Angebots sind die Parameter für Elemente, um es auf diese Liste zu schaffen.

Holz, Stahl und Kunststoff werden nicht auf dieser Liste stehen. Die zentrale Frage lautet jedoch:
Wenn aktuell Baumaterialien knapp sind, darunter auch das reproduzierbare Holz, wie ist es dann erst um die Elemente dieser Liste bestellt, welche schlichtweg nicht reproduzierbar sind und irgendwann womöglich nicht mehr verfügbar sein werden?

Auszug aus der Liste der kritischen Rohstoffe:

Bereits jetzt sind Versorgungsengpässe für die Elemente dieser Liste vorprogrammiert. Die Nachfrage nach Gallium, Germanium, Hafnium oder Indium wird konstant bleiben. Es ist aktuell nicht absehbar, dass diese Elemente 1:1 durch andere Elemente ersetzt werden können.

RohstoffGrößter ProduzentImportabhängigkeitAnwendungsbeispiel
GalliumChina (65 %)31 %Halbleiter
GermaniumChina (80 %)31 %Optische Fasern
HafniumFrankreich0 %Superlegierungen
IndiumChina (48 %)0 %Flachbildschirme

Rohstoffknappheit: Ausblick für Technologiemetalle

Wenn Magnesium und Silizium knapper und somit teuerer werden: Was passiert dann erst in puncto Wertsteigerung mit natürlich begrenzten, nicht häufig auftretenden Metallen, die die Industrie dennoch dringend benötigt?

Weltweit waren im Jahr 2019 3,3 Milliarden Smartphones im Umlauf, 2020 stieg der Wert auf 3,5 Milliarden. Allein in Deutschland nutzen 2020 60,7 Millionen diese Geräte, Zahl steigend.

Ein großes globales Ziel ist es, die Menschen und deren Planeten bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten. Dafür sind 12,5 Billionen kWh aus erneuerbaren Energien nötig, Ende 2018 betrug dieser Wert 500 GW, 2019 627 GW, 2020 2.799 GW.

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